Luxemburgs
Das luxemburgische Bibliotheks- und Archivwesen kämpft auf der einen Seite mit den üblichen Problemen eines Kleinstaates, auf der anderen fehlt es an klaren biblio-theks- und archivpolitischen Entscheidungen und Weichenstellungen.
Die Schwierigkeiten, mit denen Bibliothekare und Archivare hierzulande zu kämpfen haben, sind:
- die Mehrsprachigkeit, d.h. die Erwerbung von Medien in mindestens drei Amts-sprachen, um es möglichst jedem Benutzer recht zu machen;
- die Existenz vieler Ein-Mann/Frau-Institutionen, welche oft überfordert sind;
- es gibt nur wenige Bibliotheken über 50.000 Medieneinheiten, so dass die Auswahl von Medien doch allgemein beschränkt ist;
- das Öffentliche Bibliothekswesen, d.h. Bibliotheken für jede Person je-den Alters, u.a. also die Stadt- und Dorfbibliotheken, ist sehr schwach ausgebildet;
- ein Mangel an Fachkräften, denn es sind nicht genug qualifizierte Leute mit ent-sprechenden Hochschulabschlüssen und Sprachkenntnissen auf dem Arbeits-markt;
- Qualitätsprobleme in Katalogen;
- eine wenig ausgeprägte Bibliotheks- und Archivkultur in der Luxem-burger Gesellschaft.
Im großen Ganzen kann von einer gewaltigen bevorstehenden Pionierarbeit ge-sprochen werden, die im Großherzogtum noch zu leisten ist. Vieles ist erst im Aufbau.
Die Herausforderungen sind groß. Dies macht die Arbeit der luxemburgischen Bibliothekare und Archivare so spannend.
Jean-Marie Reding
ALBAD-Präsident
Dipl.-Bibl.
Bibliographie:
- Linster, Bernard: Die Entwicklung des luxemburgischen Bibliotheks-wesens von seinen Anfängen bis heute : auf dem Weg zum strukturierten Bibliothekssystem? - Köln : Fachhochschule Köln, 2011. - 169 S. - (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informations-wissenschaft; 55), ISSN 1434-1115.
http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band055.pdf
- Reding, Jean-Marie: Das Bibliothekswesen Luxemburgs : ein Überblick. In: Bibliothek : Forschung und Praxis, Nr. 3(2008). - S. 325-334. http://www.bibliothek-saur.de/2008_3/325-334.pdf