Literary archives - Literaturarchive

Archives littéraires

 

Alltag im Literaturarchiv

 

Arbeiten im Archiv, das ist doch bestimmt langweilig hört man gelegentlich. Worin liegt der Reiz, sich tagtäglich mit vermeintlich alten, staubigen und unleserlichen Dokumenten/Manuskripten zu beschäftigen? Das Berufsbild des Archivars im Allgemeinen und des Literaturarchivars im Besonderen sieht in Realität ganz anders aus. Uns erwartet jeden Tag ein vielfältiges, weitgefächertes Arbeitsfeld, wobei Dokumente und Computer, aber auch, und vor allem, Menschen eine wesentliche Rolle spielen.

 

Dokumente das sind Briefe, Manuskripte, Typoskripte, Einladungen, Rezensio-nen und sonstige Materialien, die wir von (und über) Autoren oder anderen Akteuren des Luxemburger Literaturbetriebs erhalten oder selber sammeln. Diese müssen geordnet werden, falls wir die Unterlagen nicht schon vom Autor in einer schlüssigen Ordnung erhalten haben. Anschließend folgt die Aufarbeitung der Materialien, denn unser Ziel ist es nicht, diese zu horten, sondern sie zugänglich zu machen. Konservatorisch einwandfrei für die Nachwelt aufbewahrt werden diese Materialien in säure- und formaldehydfreien Archivkästen unter dem Dach unseres neuen Anbaus in Mersch, in einer klimatisierten Betonhülle.

 

Computer das sind die unerlässlichen Hilfsmittel, die es uns erlauben, das umfangreiche Material zu verwalten, zu katalogisieren und nach außen sichtbar zu machen. Unsere Archivbestände und Spezialsammlungen - inzwischen sind es mehr als 310 - sind alle erschlossen, die meisten allerdings nur in Form einer Bestands-beschreibung. Einzelne Bestände sind bereits vollständig aufgearbeitet, d.h. bis auf das Einzelblatt formal und inhaltlich beschrieben. Das Aufarbeiten der Bestände ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit und ermöglicht erst die Entdeckung oft unbekannter Schätze. Diese Informationen zum Material sind vor Ort sowie übers Internet recher-chierbar  unter

                                        http://archivkatalog.literaturarchiv.lu.

 

Bei begründetem Forschungsinteresse kann Material per Email vorbestellt und anschließend vor Ort im Lesesaal eingesehen werden. Computer sind auch unabdingbar bei der Digitalisierung, der neuen Herausforderung für die Archive. So kann zum einen fragiles Material geschützt werden, indem nur noch mit dem Digitalisat gearbeitet wird und das Original unter Verschluss bleibt, zum anderen erlaubt die größere Verbreitung und eine optimierte Zugänglichkeit von Dokumenten, die online such- und einsehbar sind.

 

Menschen das sind die Autoren selbst oder ihre Verwandten und Rechteinhaber, mit denen wir verhandeln, um Material von und über die Literaten zu sammeln und zugänglich zu machen. Menschen, das sind natürlich auch die Forscher, Studenten, Journalisten und Leser, die wir betreuen und die mit den Dokumenten arbeiten und neue Erkenntnisse produzieren. Menschen, das sind außerdem die Zuhörer und Zuschauer, die zu den Ausstellungen, Lesungen und Vorträgen im CNL kommen und hier historische Rückblicke und Einblicke in die zeitgenössische Literatur in Luxemburgs erleben.

 

Hinzu kommt, dass wir Archivare unser Material nicht nur für Außenstehende aufarbeiten und verwalten, sondern wir werten es selbst regelmäßig aus: in Buchpublikationen und Artikeln, in kommentierten Neuauflagen von vergriffenen Klassikern der Luxemburger Literatur oder in Ausstellungen. Arbeiten im Archiv ist also äußerst vielfältig und alles andere als verstaubt.

 

 

Nicole Sahl,

conservatrice Centre national de littérature/Lëtzebuerger Literaturarchiv, Mersch

 




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